Manchester United Schulden: Weiter über eine Milliarde Pfund – die Zahlen 2025/26

Die Manchester United Schulden liegen weiter bei über einer Milliarde Pfund. Das zeigen die Zahlen zum Geschäftsjahr 2025/26, die der Klub Ende September 2026 vorgelegt hat: Rekordumsatz, aber der siebte Jahresverlust in Folge, die höchste Nettoverschuldung seit fast zwei Jahrzehnten und eine Kreditlinie, die im Sommer kräftig angezapft wurde. Wie passt das zusammen, und was bedeutet es für den Klub?
Auf einen Blick: Rund 1,15 Milliarden Pfund Verbindlichkeiten setzen sich aus etwa 578 Millionen Pfund langfristigen Schulden, rund 200 Millionen aus der Kreditlinie und etwa 375 Millionen offenen Transferzahlungen zusammen. Die Nettoverschuldung im engeren Sinn lag zum 30. Juni bei 621,7 Millionen Pfund. Der Verlust vor Steuern betrug 47 Millionen Pfund.
~1,15 Mrd. £Verbindlichkeiten inklusive Kreditlinie und offener Ablösen
621,7 Mio. £Nettoverschuldung zum 30. Juni 2026, höchster Wert seit 2007/08
−47 Mio. £Verlust vor Steuern, siebtes Verlustjahr in Folge
Quellen: Geschäftsbericht 2025/26 (Form 20-F), Auswertungen von Valuball und Medienberichte
Die Zahlen: Rekordumsatz, aber wieder Verlust
Sportlich und finanziell war 2025/26 ein Übergangsjahr. Ohne Europapokal stieg der Umsatz trotzdem leicht auf den Rekordwert von 677,6 Millionen Pfund. Die Gehälter sanken auf 302 Millionen Pfund, also 44,6 % des Umsatzes. Operativ stand ein kleiner Gewinn von 22,6 Millionen Pfund, allerdings nur dank 46,9 Millionen Pfund aus Spielerverkäufen.
| Kennzahl 2025/26 | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Umsatz | 677,6 Mio. £ | Rekord, +1,7 % |
| davon Vermarktung | 317,3 Mio. £ | größter Block |
| davon TV-Gelder | 206,8 Mio. £ | ohne Europapokal |
| davon Spieltag | 153,6 Mio. £ | weniger Heimspiele |
| Gehälter | 302,0 Mio. £ | −3,6 %, 44,6 % vom Umsatz |
| Abschreibungen auf Spieler | 208,4 Mio. £ | Klubrekord |
| Finanzkosten (netto) | 69,6 Mio. £ | Vorjahr 21,2 Mio. £ |
| Ergebnis vor Steuern | −47,0 Mio. £ | siebter Verlust in Folge |
Teuer wurde es unter dem Strich: Die Finanzkosten stiegen auf 69,6 Millionen Pfund, vor allem wegen Währungseffekten auf die in US-Dollar laufenden Schulden. Der Vorsteuerverlust lag bei 47,0 Millionen Pfund, nach Steuern bei 43,0 Millionen. Laut Analysen ist es das siebte Verlustjahr in Folge. Klubchef Omar Berrada sprach dennoch von Rekordwerten bei Umsatz und bereinigtem EBITDA und kündigte an, finanziell diszipliniert zu bleiben.
Manchester United Schulden: Wie kommt die Milliarde zustande?
Die Schlagzeile von der Milliarde ist richtig, aber erklärungsbedürftig. Es handelt sich nicht nur um Bankkredite, sondern um drei Bausteine:
- ~578 Mio. £ langfristige SchuldenVor allem Anleihen und Kredite, zu großen Teilen ein Erbe der Glazer-Übernahme von 2005, teils in US-Dollar.
- ~200 Mio. £ KreditlinieAus der auf 400 Mio. £ erweiterten Revolving Credit Facility, im Sommer 2026 für Transfers und laufende Kosten gezogen.
- ~375 Mio. £ offene AblösenTransferzahlungen, die United anderen Klubs noch in Raten schuldet. Kein Bankkredit, aber fest eingeplante Abflüsse.
Summe rund 1,15 Mrd. £, Stand Ende September 2026 laut Berichten
Wichtig ist die Unterscheidung: Die Nettoverschuldung, also Kredite minus Bargeld, lag zum 30. Juni bei 621,7 Millionen Pfund. Das ist der höchste Wert zum Geschäftsjahresende seit 2007/08. Die Kassenbestände fielen auf 67,2 Millionen Pfund. Rechnet man die offenen Ablösesummen und die im Sommer zusätzlich gezogene Kreditlinie hinzu, kommt man auf rund 1,15 Milliarden Pfund.

Die Kreditlinie: 400 Millionen Pfund Puffer
Ein entscheidender Faktor ist die revolvierende Kreditlinie (Revolving Credit Facility). Sie wurde im Februar 2026 auf 400 Millionen Pfund erhöht. Zum 30. Juni waren laut Abschluss rund 110 Millionen Pfund gezogen. Im Sommer kamen laut Berichten 120 Millionen Pfund hinzu, am 21. September wurden 30 Millionen zurückgezahlt. Damit standen zuletzt rund 200 Millionen Pfund offen.
Der Grund liegt im Transfersommer: Laut Berichten gab United im Sommerfenster rund 190 Millionen Pfund aus. Weil Ablösen meist in Raten fließen, wachsen die offenen Transferverbindlichkeiten, und der Klub überbrückt Zahlungsspitzen mit der Kreditlinie.
Refinanzierung: Neue Anleihen bis 2031
Im Juni 2026 hat United Anleihen über 425 Millionen US-Dollar, die 2027 fällig gewesen wären, vorzeitig abgelöst. An ihre Stelle traten neue Anleihen über 550 Millionen US-Dollar mit 5,36 % Zins und Laufzeit bis Juni 2031. Das verschafft Zeit, erhöht aber die Zinslast laut Analysen um gut 13 Millionen Dollar pro Jahr. Insgesamt zahlte der Klub im abgelaufenen Jahr 38,8 Millionen Pfund an Zinsen.
Die Glazers, Ratcliffe und die Last von 2005
Ein großer Teil der Schulden geht auf die Übernahme durch die Familie Glazer im Jahr 2005 zurück. Der Kauf wurde zu großen Teilen mit Krediten finanziert, die anschließend auf den Klub übertragen wurden. Finanzexperten rechnen vor, dass United seitdem weit über eine Milliarde Pfund für Zinsen, Gebühren und Dividenden aufgebracht hat, Geld, das nicht in Kader und Stadion floss.
Seit 2024 ist INEOS von Sir Jim Ratcliffe Minderheitseigentümer. Laut Abschluss halten die Glazers 67,91 % der Stimmrechte und damit weiter die Kontrolle, INEOS kommt auf 28,95 %, stellt zwei Mitglieder im Board und verantwortet den Fußballbereich. Ratcliffe setzte einen harten Sparkurs durch, mit Hunderten gestrichenen Stellen. Die durchschnittliche Belegschaft sank auf 808 Mitarbeiter.
Neues Stadion: 100.000 Plätze, aber wer zahlt?
Das größte Zukunftsprojekt ist ein neues Stadion als Ersatz für das in die Jahre gekommene Old Trafford. United hat für 64 Millionen Pfund rund 106.000 Quadratmeter Land für eine Arena mit bis zu 100.000 Plätzen gekauft. Im Geschäftsbericht fehlen aber Baukosten, Finanzierungsplan und Zeitplan. Bei Schulden von über einer Milliarde Pfund ist die zentrale Frage, wie ein Milliardenprojekt bezahlt werden soll, ohne die Last weiter zu erhöhen.
Was bedeutet das sportlich?
Unter Michael Carrick, der im Januar 2026 auf Ruben Amorim folgte, qualifizierte sich United für die Champions League 2026/27. Die Königsklasse bringt deutlich mehr Einnahmen und entlastet die Kasse. Der Saisonstart in der Premier League verlief laut Berichten aber holprig, im Ligapokal schied United gegen Brighton aus.
Wirtschaftlich hängt viel am sportlichen Erfolg: Die Premier League stellt ab 2026/27 auf neue Kostenregeln um, bei denen der Kaderaufwand ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt wird. Laut Analysen liegt United mit rund 59 % deutlich unter der Schwelle von 85 %. Spielraum für Transfers gibt es also, Geld dafür aber nur auf Pump oder über Spielerverkäufe.
Ausblick
Die drei großen Baustellen
Champions League halten: Ohne die Königsklasse fehlen Jahr für Jahr dreistellige Millionenbeträge an Einnahmen.
Kreditlinie zurückführen: Je länger 200 Millionen Pfund oder mehr gezogen bleiben, desto mehr wird der Puffer zur Dauerfinanzierung.
Stadion finanzieren: Ohne Eigenkapital der Eigentümer oder öffentliche Unterstützung droht der nächste große Schuldenberg.
Mein Fazit
Die Manchester United Schulden sind kein akutes Pleiterisiko, denn Umsatz und EBITDA sind auf Rekordniveau und die Kreditlinie gibt Luft. Aber der Klub lebt seit Jahren mit Verlusten, steigender Verschuldung und einer Eigentümerstruktur, die viel Geld gekostet hat. Ohne regelmäßige Champions League und ohne klare Finanzierung des Stadions wird die Milliarde so schnell nicht kleiner.
Stand: 23. Oktober 2026. Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2025/26 (Geschäftsjahr bis 30. Juni 2026) und Medienberichten, umgerechnet und gerundet. Alle Angaben ohne Gewähr.



